Qualifizierung von Stadtlandschaften?
Grenzen und Chancen der Planung im Spiegel der städtebaulichen Praxis
HafenCity Universität Hamburg
Stefan Kurath, 2010
Die Qualifizierung verstädterter Gebiete ausserhalb historisch bedingter Stadtkörperschaften ist seit mehreren Jahrzehnten ein zentrales Thema im Diskurs der Stadtplanung. Trotzdem gelingt es den Stadtplanern und Stadtplanerinnen kaum, ihre Interessen und Ziele einer räumlichen Qualifizierung und die damit verbundenen Forderungen nach einer Schaffung von Orten der Identifikation, nach Verdeutlichung von Grenzen und Übergängen, der Verbesserung räumlicher Vernetzung, Stärkung des öffentlichen Raums oder Pflege kultureller, ökologischer oder ökonomischer Eigenarten raumwirksam umzusetzen. Die vorliegende Arbeit geht davon aus, dass die Siedlungswirklichkeit Resultat gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse ist und dass die Ursachen für den Erfolg oder Misserfolg der Planung in den Beziehungsgeflechten dieser Aushandlungsprozesse zu suchen sind. Entsprechend wird am Beispiel von vier ausgewählten Mikrostudien die lokale städtebauliche Praxis, also die Spanne von der Entstehung von Planwelten (Entwurfsphase) bis hin zu deren Rückübersetzung in die Siedlungswirklichkeit (Implementierung), rekonstruiert. Über die empirische Auseinandersetzung mit den Unbestimmtheiten und Dynamiken gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse sowie die emergente Rolle der Planer innerhalb dieser Aushandlungsprozesse werden in der Arbeit Grenzen und Chancen einer zukunftsfähigen Planung entfaltet. Mit der Erkenntnis darüber, was Planung kann - oder eben nicht kann -, werden in einem weiteren Hauptteil der Arbeit zeitgenössische Planungsansätze im Rahmen einer Testplanung in das mittlere Alpenrheintal übersetzt und auf deren Qualifizierungspotenzial, Rückübersetzbarkeit und Robustheit hin getestet und bewertet. Aus der Synthese der Erkenntnisse folgt der Schluss, dass sich zukunftsfähige Handlungstheorien der Stadtplanung den Unbestimmtheiten, Dynamiken und Beziehungsgeflechten gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse anzunehmen haben und sich die Planer und Planerinnen der planerischen und entwerferischen Möglichkeiten innerhalb dieser Prozesse bewusst werden müssen. Konkret sollen das raumplanerische und topologische Entwerfen als Handlungstheorien eines konzeptionellen Städtebaus durch ein relationales Entwerfen erweitert werden, das insbesondere auch in der Phase der Rückübersetzung disziplinäre Ziele und Inhalte proaktiv in die gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse zu übersetzen und dadurch intendierte und nicht-intendierte räumliche Transformationen in Realzeit entwerferisch zu begleiten und mitzubestimmen weiss.
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