Friedhöfe im Wandel
Bedeutung, Potenziale und Strategien aus Sicht der Raumplanung
Abschlussarbeit MAS in Raumplanung ETH Zürich
Hannes Wahl, 2007
Die Friedhöfe nehmen im heutigen Siedlungsgefüge neben ihrer eigentlichen Bestimmung zusätzlich vielschichtige Funktionen wahr (z.B. als Grün- und Erholungsräume oder als ökologische Ausgleichsflächen). Damit sind sie im räumlichen Kontext von grosser Bedeutung und besitzen ein grosses Potenzial. Ihre oft privilegierten, zentralen und gut erschlossenen Lagen haben zur Folge, dass der Druck auf diese wertvollen Flächen zunehmen wird. Aus diesen Gründen sind sie für die Raumplanung von grossem Interesse. Verschiedene Entwicklungen der letzten Jahre wirken sich auf den zukünftigen Flächenbedarf der Friedhöfe aus: die massive Zunahme von Urnenbestattungen zulasten der Erdbestattungen, der Trend hin zu platzsparenden Gemeinschaftsgräbern sowie die wachsende Anzahl von Bestattungen, die ausserhalb konventioneller Friedhöfe erfolgen. Dies hat einen zunehmenden Flächenüberhang auf den Friedhöfen zur Folge. Aber auch die fortschreitende Individualisierung der Gesellschaft, die demographische Entwicklung sowie die damit verbundenen Veränderungen in der Religionslandschaft zeigen, dass in der heutigen Trauerkultur neue Bedürfnisse und Wünsche vorhanden sind, welche die gegenwärtigen Friedhöfe nicht abdecken. Angepasste Strategien und neue Konzepte sind deshalb gefragt. Die Analyse des Friedhofs der Stadt Zug bestätigt diese Entwicklungen und lässt den Schluss zu, dass in den nächsten Jahren schweizweit mit einem stark zunehmenden Flächenüberhang gerechnet werden kann. Zudem wird der Anteil der muslimischen Bevölkerung weiter zunehmen, wobei die Zahl der älteren MuslimInnen aufgrund der demographischen Verteilung überproportional stark wächst. Damit wird auch die Sterberate in dieser Bevölkerungsgruppe ansteigen. Anhand der drei Szenarien „Reglementierung“, „Trend“ und „Innovation“ werden Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt und daraus Strategien abgeleitet. Angestrebte Ziele sind z.B. neue Friedhofskonzepte, die Themen rund um den Tod wieder mehr im Alltag integrieren, eine ökologische Bewirtschaftung und aber auch Überlegungen zu Nutzungsänderungen. Als Massnahmen werden bspw. die Schaffung von Identifikationspunkten, die Vereinfachung von Friedhofsreglementen, die Zulassung von individuelleren Grabstätten und insbesondere die Schaffung von neuen Angeboten für die Bestattung von MuslimInnen postuliert. Allgemeingültige Strategien sind dabei nicht möglich; die vorgeschlagenen Massnahmen dienen als Grundlage für individuelle Konzepte, wie Friedhöfe den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden könnten. Der Trend für alternative Bestattungsformen ausserhalb der Friedhöfe nimmt ebenfalls zu. Damit ist auch eine zunehmende Privatisierung im Friedhofswesen in den letzten Jahren verbunden. Diese manifestiert sich in verschiedenen neuen Angeboten von Naturbestattungen durch private Unternehmer und zeigt wachsenden Handlungsbedarf in der Bewilligungspraxis und der Koordination zwischen den Kantonen auf. Schlussendlich wird in einer Ideenskizze aufgezeigt, wie Friedhöfe als Modell für andere anstehende Probleme in der Raumentwicklung dienen könnten: die Adaption der auf Friedhöfen seit eh und je herrschenden, begrenzten Grabesruhe, auf das heutige Bauwesen. Lösungsansätze könnten befristete oder an die Nutzung gebundene Baubewilligungen sein.
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