Die Zukunft peripherer alpiner Regionen - Dekultivierung als Chance?
Exposé im MAS Raumplanung, ETH Zürich
Hannes Wahl, 2006
Die Abwanderung aus dem peripheren alpinen Raum aufgrund sich ändernder Rahmenbedingungen konnte bis heute trotz diverser Gegenmassnahmen nicht aufgehalten werden. Die bewusste Aufgabe von Kulturlandlandschaft – Dekultivierung – bietet jedoch auch ökologische und ökonomische Chancen. Ein Überblick über den Stand der aktuellen Diskussion zu diesem Tabuthema macht deutlich, dass ein eigentlicher Paradigmenwechsel stattfindet: Weg vom angestrebten Ausgleich der unterschiedlichen Potenziale, hin zu einer Konzentration auf die Stärken der einzelnen Regionen – was in gewissen Fällen auch Wildnis und Naturraum bedeuten kann. Historisch betrachtet erfolgte die Besiedlung der Alpen primär aus wirtschaftlicher Not. Die Entwicklung der Kulturlandschaft verlief keineswegs gradlinig. Die Migration wird jedoch erst mit der Mythologisierung des Alpenraums im 20. Jh. als problematisch angesehen. Würde die Abwanderung nicht nur zugelassen, sondern aktiv unterstützt, würden die letzten Bewohner solcher Regionen mit Umsiedlungen konfrontiert – ein heute politisch und gesellschaftlich heikles Thema, das in der jüngeren Geschichte im Zusammenhang mit grossen Infrastrukturbauten schon öfters aufgetaucht ist. Beispiele zeigen, dass Umsiedlungen dank Entschädigungszahlungen früher von vielen Betroffenen als Chance für einen Neuanfang wahrgenommen wurden.
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