Tourismusresort Andermatt – eine Bilanz nach zehn Jahren Planung

Mittwoch, 24. Juni 2015

Das Tourismusresort des ägyptischen Investors Samih Sawiris ist ein Projekt von einer Grösse, die in der Geschichte des Alpendorfs Andermatt UR einzigartig ist. Es sprengt auch den gewohnten Rahmen der Schweizer Raumplanung. An einem Anlass der Weiterbildungsplattform «Chance Raumplanung» zeigten die Involvierten, welche Anstrengungen der Kanton Uri und die Gemeinde auf sich nahmen, um das Resort zu ermöglichen, und was die Raumplanung daraus lernen kann.

Im 1'300-Seelen-Dorf Andermatt ist auf einer Gesamtfläche von rund 1,5 Millionen Quadratmetern der Bau von 490 Wohnungen sowie 20 bis 30 Villen geplant. Vier mehrstöckige Apartmenthäuser (Foto) und eine festungsähnliche Villa stehen bereits – wenn auch noch etwas verloren –  im Baugelände neben dem Dorf. Zusätzlich sind sechs grosse Hotels vorgesehen. Das Flagschiff, das 5-Sterne Hotel «Chedi», ist bereits seit Ende 2013 in Betrieb, eingebettet zwischen Andermatter Häusern. Für den 18-Loch-Golfplatz, der dem Investor Sawiris sehr am Herzen liegt, musste im Hochtal genügend geeignetes Land gefunden werden. Ausserdem geplant sind ein Sportzentrum und ein Geschäftszentrum – und vor allem: Beidseits des Oberalppasses soll das Skigebiet erweitert und zur SkiArena Andermatt-Sedrun zusammengefasst werden: rund 120 Pistenkilometer, 24 Gondel-, Sesselbahnen und Skilifte. Alles in allem ist dies ein Milliardenprojekt, in das nicht nur der Investor, sondern auch Kanton und Gemeinde viel Geld und Energie investieren.

«Wir glauben an dieses Projekt», warf Regierungsrätin Heidi Z'graggen jenen Skeptikern aus dem Mittelland entgegen, die am Anlass der «Chance Raumplanung» am 19. Juni in Andermatt an der Umsetzbarkeit oder Güte Zweifel anbrachten. Das Resort sei von vitaler Bedeutung für die Gotthardregion. Sie schilderte, wie 2004, vor Projektbeginn, die Region nach dem Abzug vieler Armeearbeitsplätze vor einer Depression stand. «Dann kam Sawiris» und mit ihm die Hoffnung.

Der Kanton gleiste eigens eine Projektorganisation auf, erkannte schnell, dass eine Richtplan-Anpassung nötig war, konnte Sawiris für Standort des Militärareals in Andermatt gewinnen, verhandelte mit dem Bund und engagierte sich für eine kooperative Planung mit Sawiris. Die Gemeinde organisierte ihre Behörde neu, richtete eine Vollzeitstelle für den Gemeindepräsidenten ein, passte ihre Bau- und Zonenordnung an, und holte sich extern fachliche Hilfe, um das Projekt zu stemmen und viele Einzelfragen, etwa zur Wasser- und Energieversorgung oder der Verkehrsplanung, zu lösen.

Auch die Zusammenarbeit mit Sawiris Architekten und Planern war besonders, trafen doch verschiedene Planungskulturen aufeinander. Der Masterplan etwa, den Sawiris' Stararchitekt vorlegte, entsprach in Form und Inhalt nicht dem Gewohnten. Doch es liess sich damit arbeiten, wie die Urner Behörden und hiesigen Architekten feststellten. Dem Kanton gelang es, zahlreiche seiner Anliegen in den Masterplan einzubringen, etwa bezüglich Ortsbilderhalt, baulicher Konzentration, Infrastrukturplanung.

In Andermatt, zehn Jahre nach Projektstart, zogen Kanton und Gemeinde am 19. Juni eine positive Bilanz: «Unsere Raumplanungsinstrumente in der Schweiz sind sehr gut tauglich, um solche Grossprojekte zur Bewilligung zu führen», sagte Z'graggen. Eine Grundvoraussetzung für das Projekt war die Richtplan-Anpassung. Durch sie konnte der Kanton früh alle relevanten Akteure einbeziehen und Konflikte (z.B. mit Umweltorganisationen) austragen und lösen. Über den Richtplan gelang es, wichtige öffentliche Anliegen ins Resort einzubringen. Wichtig waren aber auch die kooperative Planung (inkl. Infrastrukturverträge) zwischen Behörden und Sawiris Orascom Development Holding, und nicht zuletzt der offene Geist aller Involvierten, auch der Andermatter.

Lesen Sie hier, wie die NZZ über Andermatt berichtete: www.nzz.ch

Die Austauschplattform «Chance Raumplanung», an der auch die VLP-ASPAN beteiligt ist, hat ein weiteres Werkstattgespräch zu einem Grossprojekt in Planung. Thema ist die «Nordtangente Basel – Motor der Innenentwicklumg?». Der Anlass findet am 2. Oktober 2015 in Basel statt (vgl. PDF unten).