Nachhaltig nachverdichten – Leitfaden mit 19 Punkten erschienen

Montag, 25. Juli 2016

Der Hochschulverlag der ETH Zürich hat einen Leitfaden zur nachhaltigen Nachverdichtung und Arealentwicklung herausgegeben. Er richtet sich an Städte und Gemeinden in Agglomerationen. Gezeigt wird, dass die Gemeinde bzw. Stadt Anreize schaffen und Forderungen stellen kann, um Bauträger und Investoren zu ermutigen, Wohnbauten für Leute zu realisieren, die einen nachhaltigen Lebensstil pflegen.

Qualität in der Innenentwicklung bedinge die Übernahme von Verantwortung durch Behörden, Planer und Investoren, schreibt Nationalrat Kurt Fluri im Vorwort zur Publikation. Auf Qualität zu verzichten, bedeute den Verzicht auf Quartiere mit Zukunft. Der Leitfaden soll deshalb Städte und Gemeinden anregen, Leuchtturmprojekte auf gemeindeeigenen Grundstücken zu schaffen, oder den Aushandlungsprozessen in der Planung mit Dritten eine «wegweisende Stossrichtung zu geben».

Die Flächenreserven, die für die Innenentwicklung in der Schweiz zur Verfügung stehen, belaufen sich nach Schätzungen der ETH Zürich auf bis zu 15'600 Hektaren Geschossflächen – bei einer Wohnfläche von 50m2 pro Kopf entspräche dies dem Wohnraum für bis zu 1,9 Millionen Menschen. Die Verdichtungsmöglichkeiten seien also vorhanden; nun gelte es, diese Potenziale nutzbar zu machen.

Auch wollten immer mehr Menschen nachhaltig urban wohnen, heisst es in der ETH-Publikation: Sie wünschen kurze Wege, mehr Begegnungen, leichten Zugang zu öV, Nutzungsvielfalt, pulsierende Urbanität und Freiräume – all dies kombiniert mit weniger Strassenfläche, weniger Energieverschwendung und weniger Bodenverschleiss.

Der Leitfaden fordert Städte und Gemeinden auf, die planerischen Rahmenbedingungen für nachhaltige Arealentwicklungen zu schaffen. Gezeigt wird, was eine Stadt bzw. Gemeinde auf den drei Ebenen Kommune, Quartier und Parzelle tun kann.

Auf Ebene Stadt/Gemeinde geht es um Optionen und Strategien – Vorzeigeprojekte auf gemeindeeigenem Boden, die Vergabe im Baurecht, Verhandlungen mit privaten Investoren. Ausserdem wird thematisiert, wie wichtig die Sensibilisierung von Bevölkerung, Politik und Investoren für Dichte und qualitätsstiftende Faktoren ist, wie Ämter und Fachstellen ihre Koordination verbessern können und dass sie ihre planungsrechtlichen Verfahren zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung allenfalls anpassen sollten.

Auf Ebene Quartier geht es um Energieeffizienz, Aussenräume, Mobilitätslösungen, Parkplätze, einen guten Nutzungsmix zwischen Wohnen, Freizeit, Gewerbe und Dienstleistungen, sowie den Einbezug der Bevölkerung in Planungen.

Auf Ebene Parzelle wird beispielsweise das Vermeiden von «Grauer Energie» beim Bau und Unterhalt von Gebäuden angesprochen (eine Lösung: langlebige Gebäude nach dem Prinzip des «Open Building» bauen). Weiter wird gezeigt, wie Anreize zur Nachverdichtung zu schaffen sind: etwa, indem die Gemeinde eine höhere Ausnutzung erlaubt und dieses Zugeständnis an Auflagen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung koppelt (z.B. Mehrwertausgleich auf Um- und Aufzonungen, Projektwettbewerbe, Freiräume verlangen). Auch soll die Gemeinde gegenüber Bauträgern auf einen geringeren Wohnflächenverbrauch pro Person hinwirken, die Belegungsdichte thematisieren, und die soziale Durchmischung fördern (z.B. mittels Wohnungsmix).

Alle Handlungsoptionen für Städte und Gemeinden sind in insgesamt 19 Punkten kurz dargestellt. Zu jedem Punkt findet sich eine Checkliste als Denkhilfe, und es werden gute Beispiele aus der Praxis der Schweiz und des Auslands erwähnt. Wer einen Punkt vertiefen möchte, findet die passenden Literaturhinweise.

Die Broschüre «Leitfaden und Checklisten zur nachhaltigen Arealentwicklung für Städte und Gemeinden» ist online auszugsweise lesbar. Sie resultiert aus dem Projekt «Angebotsstrategie nachhaltig verdichteter Städte» (ANANAS) von ETH Wohnforum-ETH CASE und dem Beratungsunternehmen ecos. Die Grundlagen bildeten Literaturrecherchen und die Analyse von sechs Wohnbauprojekten in Zürich und Basel.

Am Mittwoch, 21. September von 16 bis 18.30 Uhr findet in Basel die ANANAS-Buchvernissage statt. Der Leitfaden wird vorgestellt und es gibt eine Podiumsdiskussion. Anmeldungen per E-Mail an: eth.ecos@ananas.net

Die VLP-ASPAN vertieft das Thema «Areale und Quartiere partnerschaftlich entwickeln» am kommenden 26. Oktober an einer Tagung mit vielen Beispielen. Anmeldungen hier.