Methode zur Ermittlung der Versorgungsqualität entwickelt

Freitag, 17. November 2017

Die Hochschule Rapperswil (HSR) hat zusammen mit sechs Kantonen und dem Bundesamt für Raumentwicklung ARE eine Methode entwickelt, um die Versorgungsqualität auf dem Land in einer «Ampelkarte» darzustellen. Sie zeigt, dass eine abnehmende Versorgungsqualität über Gemeindegrenzen hinweg angegangen werden muss. Die Methode erlaubt auch eine Prognose zur künftigen Versorgungsqualität und kann so als Frühwarnsystem dienen.

Die Versorgungsqualität auf dem Land beschäftigt die Öffentlichkeit. Der Verlust der Poststelle oder der Arztpraxis im Dorf ist immer wieder Thema in den lokalen Medien. In den Richtplänen der Kantone und Gemeinden ist das Thema allerdings noch nicht angekommen. In der kantonalen Richtplanung bezieht sich der Begriff «Versorgung» meist nur auf Wasser, Energie und Rohstoffe, nicht aber auf Infrastrukturen und Dienstleistungen wie Arztpraxen, Schulen und Ähnliches. Bis anhin gab es auch keine mehrheitlich angewendete Methode zum Darstellen dieser Versorgungsqualität.

Deshalb haben die Kantone BL, GL, GR, SO und TG gemeinsam mit dem Institut für Raumentwicklung der HSR und dem ARE ein Forschungsprojekt lanciert, um eine solche Methode zu entwickeln. Diese Methode wird nun im Forschungsbericht «Künftige Versorgungsinfrastrukturen in ländlichen Räumen» erklärt.

Die Methode ermöglicht es zu ermitteln, wie gut ein Gebiet mit Arztpraxen, Primarschulen, Alters- und Pflegeheimen, Geschäften mit Gütern des täglichen Bedarfs, Poststellen und Gaststätten versorgt ist.

Die HSR wendete die Methode in vier Testgebieten an. Anhand der Daten zu den Verkehrswegen und der Lage von Arztpraxen, Schulen, Wohnhäusern etc. berechnete sie die Reisezeit, die Bewohnende benötigen, um von zu Hause zum Arzt oder auf die Post zu gehen.

Anschliessend berechnete die HSR die Reisezeiten für den Fall, dass die nächstgelegene Arztpraxis, Poststelle usw. schliesst. So liess sich erkennen, welche Gebiete der Wegfall einer Versorgungseinrichtung empfindlich trifft. Bei nicht empfindlichen Regionen kompensiert zum Beispiel die Arztpraxis im Nachbardorf den Wegfall.

Die Ergebnisse werden in einer «Ampelkarte» der Versorgungsqualität veranschaulicht. Sie lässt räumliche Muster der Betroffenheit erkennen, die sich nicht an Gemeindegrenzen orientieren.

Nebst der Karte haben die Projektpartner auch Handlungsansätze formuliert, die Gemeinden, Regionen, Kantonen und dem Bund helfen sollen, einer aktuell oder künftig schlechten Versorgungsqualität auf dem Land zu begegnen.

Das Denken über Gemeindegrenzen hinweg wird bei der Versorgungsqualität in Zukunft noch wichtiger, denn der demographische Wandel und die Digitalisierung werden die Standortgunst des ländlichen Raums sicher nicht verbessern, wie es abschliessend im Forschungsbericht heisst.